Pränataldiagnostik: So entscheidest du, ob du die Tests machen möchtest

Von Melanie und Amelie S

Zuletzt aktualisiert am 14 March 2025

Wenn du darüber nachdenkst oder dir empfohlen wurde, zusätzliche pränatale Tests durchführen zu lassen, findest du hier einige allgemeine Informationen und Hinweise für deine Entscheidung.

(Einen Überblick über die verschiedenen invasiven und nicht-invasiven pränataldiagnostischen Tests findest du in unserem Übersichtsartikel).

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der Hebamme Amelie Suermann geschrieben.

Amelie ist eine in Berlin lebende Hebamme mit einem Master of Science in Global Health. Sie arbeitet als eine der englischsprachigen Hebammen in der Praxis Hebammenzeit in Friedrichshain. Und sie ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden!

Einige allgemeine Informationen und wie du deine Entscheidung treffen kannst

Die Vorteile der Pränataldiagnostik sind vielfältig:

  • Sie erleichtert die Einschätzung des Risikos für eine bestimmte Erkrankung oder Behinderung.

  • Eltern können sich auf eine besondere Erkrankung oder Behinderung ihres Kindes vorbereiten.

  • Unter Umständen kann die Geburt entsprechend vorbereitet werden, und es können Entscheidungen über das eigene Leben und das Leben des Kindes nach der Geburt getroffen und geplant werden.

  • Sollte die Fortsetzung der Schwangerschaft die körperliche und/oder seelische Gesundheit der Frau gefährden oder möchte das Paar nach eingehender Aufklärung über eine bestimmte Erkrankung einen Abbruch vornehmen, kann ein medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbruch erwogen werden.

Durch pränatale Untersuchungen erhoffen sich schwangere Frauen die Bestätigung, dass sie ein genetisch typisches Kind bekommen werden. Unauffällige Befunde können beruhigend sein.

Allerdings gibt es auch einige Bedenken gegen die Pränataldiagnostik:

  • Manchmal sind die Untersuchungen auch mit Unsicherheiten verbunden.

  • Ungewisse Prognosen und das Warten auf Testergebnisse und Diagnosen können dazu führen, dass werdende Mütter die Bindung zu ihrem Kind nicht aufbauen wollen.

  • Die Erwartungen an die Pränataldiagnostik können nicht immer erfüllt werden: Die Untersuchungen können keine 100-prozentige Sicherheit geben, ein Kind mit einem typischen Chromosomensatz zu bekommen.

  • Manche Ergebnisse nicht-invasiver Untersuchungen stellen eher ein kalkuliertes Risiko für bestimmte Erkrankungen dar als eine Diagnose.

  • Es ist in der Regel nicht möglich, Informationen über den Schweregrad und die Auswirkungen einer möglichen Behinderung, eines Zustands oder einer Krankheit abzuleiten.

  • Bei invasiven Untersuchungen besteht das Risiko, dass Wehen ausgelöst werden und es zu einer Fehlgeburt kommt.

  • Eine Therapie des Kindes im Mutterleib ist nur in seltenen Fällen möglich; oft geben die Untersuchungen Hinweise auf eine Krankheit, einen Zustand oder eine Behinderung, für die es keine Therapie gibt.

Bedenke, dass das Ergebnis einer Trisomie-Diagnose zu der Entscheidung der Eltern führen wird, die Schwangerschaft entweder abzubrechen oder fortzusetzen.

Wenn ein Paar bereits entschieden hat, dass es bei Vorliegen einer bestimmten Diagnose die Schwangerschaft nicht abbrechen möchte, kann es sich bewusst gegen die Tests entscheiden.

Wie soll man sich also entscheiden?

Vielleicht ist es für dich hilfreich zu wissen, dass 96 % aller Kinder ohne eine Behinderung geboren werden und nur 4,5 % aller Behinderungen angeboren sind, d. h. von Geburt an bestehen.

Gleichzeitig kann die Pränataldiagnostik beruhigend sein, insbesondere für Frauen und Paare, die ein Kind verloren haben oder in deren Familie eine genetische Erkrankung vorliegt.

Sie kann aber auch die Ängste und Ungewissheiten verstärken, die mit jeder Schwangerschaft einhergehen.

Jede werdende Mutter oder jedes werdende Paar muss daher die Vor- und Nachteile der Pränataldiagnostik abwägen und selbst entscheiden, ob sie/es diese in Anspruch nehmen möchte und welche Optionen sie/es im Falle einer Diagnose in Betracht zieht.

Wo erhält man weitere Informationen und Beratung?

Bei einer Trisomie-Diagnose kann es sehr hilfreich sein, sich umfassend über die verschiedenen Faktoren zu informieren, die eine Entscheidung über die Fortsetzung oder den Abbruch einer Schwangerschaft beeinflussen können. Dazu gehören die Wahrscheinlichkeit von Begleiterkrankungen sowie die zu erwartende Lebensqualität und mögliche Therapien und Eingriffe für das Kind und seine Familie.

Viele Eltern profitieren von einer neutralen Beratung durch einen Facharzt für Humangenetik sowie von der Beratung durch Organisationen wie das Down-Syndrom-Informationszentrum für Trisomie 21 und dem Kontakt zu anderen Eltern, die ein Kind mit dieser Krankheit haben.

Du kannst auch mit deinem Arzt oder deiner Hebamme sprechen, um herauszufinden, was du empfehlen würdest und wie sie dir helfen können, deine Optionen zu verstehen und eine informierte Entscheidung zu treffen. Es gibt auch viele Organisationen, die dir bei deiner Entscheidungsfindung helfen können, wie zum Beispiel Pro Familia. Alles Gute für dich!


Quellen:

BZgA-Broschüre „Pränataldiagnostik - Informationen über Beratung und Hilfen bei Fragen zu vorgeburtlichen Untersuchungen“

https://www.pnd-beratung.de/was-ist-praenataldiagnostik/.