Es gibt viele Untersuchungen, die für Schwangere in Deutschland empfohlen und von der deutschen Krankenversicherung übernommen werden. Mehr darüber erfährst du in unserem Artikel "Empfohlene Tests & Impfungen in der Schwangerschaft in Deutschland".
Es gibt aber auch ein paar Tests, die dir angeboten werden könnten, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
Wir haben die Hebamme Amelie Suermann gefragt, was das ist und wie du entscheiden kannst, ob du sie in Anspruch nehmen und privat bezahlen möchtest.
Amelie ist eine in Berlin lebende Hebamme mit einem Master of Science in Global Health. Sie arbeitet als eine der englischsprachigen Hebammen in der Praxis Hebammenzeit in Friedrichshain. Amelie hat eine kleine Tochter und wird bald zum zweiten Mal Mutter!
Toxoplasmose
Die Toxoplasmose (Toxoplasmose ) wird durch den Parasiten Toxoplasma gondii verursacht. Sie sind in rohem Fleisch, Katzenkot, Erde und manchmal auch auf ungewaschenem Obst und Gemüse zu finden.
Infiziert sich eine Schwangere während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit Toxoplasmose, kann diese an das ungeborene Kind weitergegeben werden und zu Komplikationen führen.
Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2000 wird die Infektion in etwa 15 Prozent der Fälle im ersten Trimester, etwa 24 Prozent im zweiten Trimester und etwa 64 Prozent im dritten Trimester auf das ungeborene Kind übertragen. Die Schwere der Schädigung kehrt sich jedoch um: Wird die Infektion in der Frühschwangerschaft auf das Kind übertragen, ist die Schädigung meist schwerwiegender oder sie kann zu einer Fehlgeburt führen.
Mit dem Toxoplasmose-Test, der dir zu Beginn deiner Schwangerschaft angeboten wird, kann man nach Antikörpern gegen die Krankheit suchen. Allerdings zahlen nicht alle gesetzlichen Krankenkassen den Test, es sei denn, es besteht ein begründeter Verdacht auf eine Infektion mit Toxoplasmose. Wenn du möchtest, dass der Test in der gynäkologischen Praxis durchgeführt wird, zahlst du dafür zwischen 14 € und 16 €.
Wenn du den Test von deiner Hebamme durchführen lässt, ist dieser kostenlos.
Der erste Test reicht jedoch möglicherweise nicht aus: Werden Antikörper nachgewiesen, müssen weitere Tests durchgeführt werden, um festzustellen, wann die Infektion stattgefunden hat. Die Folgeuntersuchungen werden in der Regel von den Krankenkassen bezahlt, da der Verdacht auf eine Infektion besteht.
Werden keine Antikörper im Blut der Schwangeren nachgewiesen, muss der Test alle acht Wochen wiederholt werden, um eine erneute Infektion nachzuweisen. In diesem Fall musst du die Tests höchstwahrscheinlich selbst bezahlen. Wenn du nicht immun bist (d.h. keine Antikörper hast), wird empfohlen, die oben genannten potenziellen Infektionsquellen zu meiden. Achte außerdem auf das Tragen von Handschuhen und gründliches Händewaschen bei der Arbeit mit Erde, das Vermeiden des Kontakts mit Katzenkot und gründliches Waschen von Obst und Gemüse vor dem Verzehr.
Zytomegalie (CMV)
Ein weiterer Test, der dir zu Beginn deiner Schwangerschaft angeboten werden kann, ist die Zytomegalie. Dabei handelt es sich um ein Herpesvirus, das über Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut oder Urin übertragen wird. Dieser Test ist besonders relevant für Schwangere, die bereits Kinder haben oder mit Kindern arbeiten, wie z.B. Lehrerinnen oder Kita-Erzieherinnen.
Wenn sich eine schwangere Person zum ersten Mal während ihrer Schwangerschaft mit Zytomegalie infiziert, kann diese auf das ungeborene Kind übertragen werden. Im ersten Trimester ist dies laut Robert-Koch-Institut bei etwa 20 % der Erstinfektionen der Fall. Infiziert sich das ungeborene Kind im ersten Trimester, kann es in etwa 50% der Fälle zu schwerwiegenden Komplikationen kommen.
Nach etwa der 20. Schwangerschaftswoche ist es unwahrscheinlich, dass eine Infektion mit Zytomegalie das ungeborene Kind schädigt.
Wenn du den Test in Ihrer Gynäkologiepraxis machen möchtest, wird er von den meisten gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und du musst damit rechnen, etwa 30 € dafür zu bezahlen. Einige gesetzliche Krankenkassen können die Kosten teilweise übernehmen.
Wenn du den Test von deiner Hebamme durchführen lässt, ist es kostenlos.
Wenn der Test negativ ausfällt, wird empfohlen, ihn in der 12. bis 14. Schwangerschaftswoche zu wiederholen. Es wird außerdem empfohlen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um eine Ansteckung zu vermeiden: Gründliches Händewaschen mit Seife ist wichtig, insbesondere nach dem Kontakt mit Speichel oder nach dem Windelwechsel eines Säuglings.
Weist das Blut der Schwangeren im CMV-Test ausreichend Antikörper auf, kann die Erstinfektion sie nicht mehr betreffen.
B-Streptokokken (GBS)
Streptokokken der Gruppe B (GBS) sind Bakterien, die natürlicherweise in der Darmflora vorkommen können. Sie siedeln sich meist im Analbereich an und können in die Scheide und die Harnwege wandern. Sie werden auch Gruppe-B-Streptokokken genannt.
Es wird geschätzt, dass etwa 18 % der Schwangeren Träger von GBS sind. Bei den meisten Menschen, die GBS in sich tragen, gibt es keine Symptome, und bei Menschen mit gesundem Immunsystem wird in der Regel keine Krankheit dadurch verursacht.
Wenn GBS jedoch während der Geburt auf den Säugling übertragen wird, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 1-2%, dass das Baby eine GBS-Krankheit entwickelt. Dabei handelt es sich um eine schwere Infektion, bei der das Baby in der Regel auf der Neugeborenen-Intensivstation stationär behandelt und mit Antibiotika behandelt werden muss.
Um eine Besiedlung des Babys mit GBS zu vermeiden und das Risiko einer GBS-Erkrankung zu senken, wird empfohlen, dass schwangere GBS-Trägerinnen während der Wehen mit Antibiotika behandelt werden. Wenn die gebärende Person mit GBS während der Wehen mindestens 4 Stunden vor der Geburt mit Antibiotika behandelt wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit des Babys, an einer GBS-Krankheit zu erkranken, von 1 % auf etwa 0,2 %.
Daher kann dir zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche ein Test angeboten werden, um auf GBS zu untersuchen. Dies geschieht durch einen Gynäkologen oder eine Hebamme, die einen Abstrich aus dem Vaginal- und Analbereich nimmt.
Wenn du positiv auf GBS getestet wirst, wird dies in deinem Mutterpass vermerkt und der empfohlene Geburtsort wäre ein Krankenhaus. Aktuelle Richtlinien empfehlen die Verabreichung von intravenösen Antibiotika während der Wehen als Prophylaxe für GBS-Trägerinnen, beginnend mit dem Einsetzen regelmäßiger Kontraktionen oder nachdem die Fruchtblase geplatzt ist. Wenn du dich gegen einen GBS-Test entscheidest, werden dir in der Regel erst dann Antibiotika angeboten, wenn deine Fruchtblase über einen längeren Zeitraum geplatzt ist oder du Anzeichen einer Infektion entwickeln.
Eine Testung auf GBS ist nicht verpflichtend. Einerseits kann der Verzicht auf Tests den unnötigen Einsatz von Antibiotika während der Wehen vermeiden, da das Risiko des Babys, an einer GBS-Krankheit zu erkranken, bei einem positiven Ergebnis nur 1-2% beträgt.
Auf der anderen Seite haben Tests und die Verabreichung von Antibiotika gezeigt, dass sie das Risiko für eine GBS-Erkrankung bei Säuglingen signifikant senken, und die GBS-Krankheit bleibt eine der Hauptursachen für schwere Infektionen in der Neugeborenenperiode. Mit diesen Informationen im Hinterkopf kannst du das Thema mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen und eine fundierte Entscheidung treffen.
Besteht der Verdacht auf eine mögliche B-Streptokokken-Infektion, übernimmt jede Versicherung die Kosten für den Test. Andernfalls zahlst du diese privat (ca. 30-50 €).
Parvovirus B19
Das Parvovirus B19 (Ringelröteln ) ist eine Erkrankung, die sich meist mit leichten Grippesymptomen und Hautausschlag äußert. Es tritt am häufigsten bei kleinen Kindern auf. Etwa 50 % der Erwachsenen haben eine Immunität gegen Parvovirus B19 aus einer früheren Infektion. Ein Test auf Parvovirus-B19-Antikörper wird dringend empfohlen bei Schwangeren, die bereits Kinder haben oder mit Kindern arbeiten, wie z.B. Lehrerinnen oder Kita-Erzieherinnen.
Eine Infektion während der Schwangerschaft kann Schwangerschaftskomplikationen wie Fehl- und Totgeburten sowie Komplikationen für den Fötus wie Anämie verursachen. In vielen Fällen schadet eine Infektion während der Schwangerschaft dem Fötus jedoch nicht.
Der Screening-Test auf Antikörper gegen Parvovirus B19 wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen, es sei denn, er wird im Rahmen eines arbeitsmedizinischen Checks bezahlt (z. B. wenn du als Lehrer oder Erzieher arbeitest) oder ein Fall von Parvovirus B19 in deiner Familie oder am Arbeitsplatz bekannt ist. Wenn du privat zahlst, sollte der Test etwa 15-30 € kosten.
Wird eine akute Infektion mit dem Parvovirus B19 diagnostiziert, erfolgen regelmäßige Kontrollen mittels Ultraschall und Doppler-Ultraschall. Gibt es Hinweise auf eine Blutarmut beim ungeborenen Kind, kann das Kind in einem spezialisierten Pränatalzentrum direkt im Mutterleib (Intrauterin) eine Bluttransfusion erhalten.
Weitere Quelle: Frauenärzte im Netz: Ringelröteln in der Schwangerschaft